Start Tattoo talk Tattoo Talk mit Laura aka Inkedcrybaby: „Mein Körper, jeder Körper, ist Kunst“

Tattoo Talk mit Laura aka Inkedcrybaby: „Mein Körper, jeder Körper, ist Kunst“

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Von Mimi Erhardt

Wann genau ich anfing, Laura aka Inkedcrybaby auf Instagram zu folgen, weiß ich gar nicht mehr. Woran ich mich dagegen erinnere, ist, dass ich schnell beeindruckt von der jungen Frau mit dem markanten Style war. Und dann ihr Gesicht – das ist das einer Königin, und ich will nicht mal rumschleimen. Die Tätowierungen des Splatter-Fans fielen mir erst später auf, doch seit einiger Zeit verfolge ich den Weg, den die ehemalige Krankenschwester und heutige Make-up-Artistin in Sachen Bodymod eingeschlagen hat, sehr genau. Warum? Vielleicht, weil sie so konsequent und kompromisslos ist. Und offen, zugibt, wenn eine Tätowierung schmerzt wie Hölle zum Beispiel. Meet Laura aka Inkedcrybaby.

Hey Laura, erzähl uns was über dich.

Laura: „Moini! Ich bin die Laura, 24 Jahre alt und vom Sternzeichen Jungfrau. Mein liebstes Hobby ist auch automatisch mein Beruf: Make-up und Content Creation, aber auch das Gym darf nicht fehlen, sofern man Sport als Hobby bezeichnen kann. Und jegliche Art von Kunst, Museumsbesuche, Ausstellungen, so was. Ich liebe es, Filme zu schauen, da ich selbst als Maske in der Filmbranche tätig bin. Mein liebstes Gangre ist tatsächlich Gore. Splatter und Co. haben mich als Kind schon fasziniert, haha. In der Musikwelt sieht es schon direkt ganz anders aus, da stehe ich eher auf Indie, Sad Songs und Musicals 😀 Und ironischerweise etwas Techno.“

Laura aka Inkedcrybaby
Liebt farbenfrohe Styles: Laura arbeitet inzwischen als freiberufliche Make-up-Artistin

Auf Instagram nennst du dich Inkedcrybaby, gibt mir direkt Tumblr- und Pale Grunge Vibes. Wie kam es dazu?

Laura: „Tatsächlich gibt es auf diese Frage keine allzu spannende Antwort. Ich war tatsächlich nie so ein Tumblr Girl, daher war das definitiv nicht die Inspo dafür. Ich war schon immer ein kleines ,Crybaby‘ und bin ganzkörpertätowiert, daher das ,InkedCrybaby‘.“ 

Was macht dich einzigartig?

Laura: „Hui, ich glaube alles in einem, also das Gesamtbild, was präsentiert wird, wenn man mich sieht oder mich kennenlernt. Ich habe für mein Alter schon wahnsinnig viel getan, habe zwei fertige Ausbildungen und mehrere Weiterbildungen, bin sehr zielstrebig und habe genau vor Augen, was ich erreichen will. Ich habe oft das Gefühl, dass das eher seltener geworden ist, gerade bei Anfang und Mitte 20-Jährigen.“

Wie würdest du deinen Tattoostil beschreiben?

Laura: „Ornamental / Blackwork / Mehndi.“

Laura mit ihrem Hals-Tattoo
Laura mit ihrem Hals-Tattoo

Was war dein erstes Tattoo? Hatte es eine besondere Bedeutung für dich?

Laura: „Mein erstes Tatttoo war eine Rune aus der Serie ,Shadowhunters‘. Die hatte alles in einem gar keine Bedeutung und ist mittlerweile auch weggelasert und gecovert 🙂 Also – bitte lasst euch nicht mit 17 tätowieren und wartet ein bisschen ab, meine Freunde.“

Ich verfolge dich jetzt schon seit einigen Jahren via Insta und würde sagen, dass sich nicht nur der Stil deiner Tattoos, sondern auch dein Bezug dazu stark verändert hat. Es wirkt jetzt ganzheitlicher, konzeptioneller als früher …

Laura: „Ich hatte mit circa 14 Jahren bereits den Wunsch, tätowiert zu sein. Ich wurde auch nicht sonderlich krass durch Social Media oder so beeinflusst. Ich wollte mich nur immer schon von der Masse abheben, da es immer mein persönlicher Albtraum war, wenn ich Personen sah, die 1:1 gleich, von Kopf bis Fuß, durch die Straßen liefen. Ich habe dann mit realistischen Rosen angefangen, woraus mein Realistic Sleeve entstanden ist. Aber nach paar Jahren merkte ich, dass es nicht der Stil ist, der so wirklich zu mir passt. Ich habe mich lange damit beschäftigt was mir wirklich gefällt, und da habe ich dann Helen Hitori entdeckt: Sie ist diejenige, die mein Full Body Projekt ins Leben bringt. Mein Realistic Sleeve am linken Arm wird über die nächsten Jahre auch komplett gecovert.“

Auch modisch tobt sich der Tattoo-Fan gerne aus
Auch modisch tobt sich der Tattoo-Fan gerne aus

Wer und was inspiriert dich, wenn es um neue Tätowierungen geht?

Laura: „Alles inspiriert mich. Das kann ich so auch gar nicht näher beschreiben. Aber vor allem die Natur, andere Kulturen und Menschen wie Helen Hitori oder Noemi Doragon.“

Hast du ein Konzept für deinen kompletten Körper oder gehst du schrittweise vor – erstmal der Rücken, dann der Unterkörper oder so?

Laura: „Ich habe mittlerweile einen festen Plan. Aber welche Körperstelle zuerst gemacht wird, ist eher von mir und meiner Stimmung abhängig. Vor ein paar Wochen habe ich meinen Hals machen lassen. Das war für mich wirklich schlimm, dahingehend würde ich als nächstes erstmal nicht mit dem Dekolleté weitermachen, sondern lieber die Beine oder die Flanken, aber das entscheide ich eher spontan.“

Laura hat eine genaue Vorstellung davon, welche Ttowierungen ihren Körper schmücken sollen
Laura aka Inkedcrybaby setzt auf großflächige Tattoo-Konzepte

Wer tätowiert dich außer Helen Hitori?

Laura: „Mein ,Overthinker‘-Tattoo sowie Beine und Füße sind von Tristan aus Köln, TrashTristan.“

Du hast dich immer schon freizügig in sozialen Medien gezeigt, heute scheint dein Approach aber auch hier ein anderer zu sein. Als wärst du mehr mit dir im reinen, es wirkt natürlicher, lässiger. Oder liege ich da falsch? Korrigier mich in dem Fall gerne.

Laura: „Ich war sexuell immer sehr sehr offen und verstehe tatsächlich bis heute zu diesem Tage nicht, warum Sex, Sexualität oder ein paar Brüste oder Pobacken so ein wahnsinniges Problem für viele sind. Dass Sex, Periode, Orgasmen oder die Anzahl der Sexualpartner solche Tabuthemen sind, finde ich ziemlich traurig. Meine Approach hat sich in meinen Augen tatsächlich nicht sonderlich geändert. Also ja, man wird älter. Ich in meinem Fall bin absolut im Reinen mit mir, meinem Geist und meinem Körper und versuche, so ästhetische Bilder wie nur irgendwie möglich zu knipsen, aber auch realistische Fotos zu machen. Ich photoshoppe nie irgendwas und hatte diese ganzen Facetune-Apps nie auf meinem Handy. Mein Körper, jeder Körper, ist Kunst, und wenn man es selbst will, sollte dieser gezeigt und nicht geshamed werden. Every body is a beautiful body.“

Wunderschöne Laura
Wunderschöne Laura

Was bedeutet es dir, dich freizügig zu zeigen? Wie sind die Reaktionen darauf?

Laura: „Mir bedeutet es wahnsinnig viel. Ich fühle mich nackt bzw. in Unterwäsche wahnsinnig wohl und im Reinen mit mir selbst. Ich bin dankbar für meinen Körper und was er alles leistet. Reaktionen gibt es kaum welche. Wenn ich durch die Stadt laufe und das Haus verlasse, bin ich meist relativ stark bedeckt. Ich LIEBE Rollkragen jeglicher art. An Tops, an Kleidern, an Pullovern. Dahingehend sieht man im Real Life selten viel Haut von mir.“

 

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Ein Beitrag geteilt von Inkedcrybaby – Laura G. (@inkedcrybaby)

Ich würde dich als sexpositiven Menschen bezeichnen. Was bedeutet dir das, was bedeutet dir Kinkysein? Und welche Rolle spielen deine Tattoos dabei?

Laura: „Im Kinkysein spielen die Tattoos absolut keine Rolle für mich. Also ja, ich fühle mich maximal wohl in meiner Haut durch die Tattoos, aber mit dem Kinkysein hat es für mich nichts zu tun. Kinkysein bedeutet für mich, die Tiefen deines inneren Verlangens, Träume, Fantasien einfach mal ausleben zu können. Ohne dabei gejudged zu werden oder irgendwelche Ängste spüren zu müssen. Die Kink-Community ist ein Safe Space, der nicht judged und jeden so leben lässt, wie er will.“


 

Seit einiger Zeit arbeitest du als freie Make-up-Artistin, nicht mehr als Krankenschwester, postest gerne Reels deiner Arbeiten. Warum dieser Schritt?

Laura: „Darüber könnte ich jetzt fünf Stunden Minimum schreiben. Wobei, nein, am besten direkt ein ganzes Buch, haha! Der Job als Krankenschwester hat mir finanziell sehr, sehr geholfen über die letzen Jahre. Vor allem der Aspekt, dass ich eine ( Haupt-)Nachtwache war und es auf der Station, auf der ich tätig war, jeden Monat einen Zusatz-Bonus gab, der nicht grade klein war. Allerdings gab es tausend schlimme Gründe, warum ich dieses Krankenhaus verlassen habe, allerdings kann ich darauf nicht detailliert eingehen, da ich sonst eine Klage am Hals hätte. Ohne Wenn und Aber, lol.“

Kompromisslos und selbstbewusst: Das ist Laura
Kompromisslos und selbstbewusst: Das ist Laura

Was reizt dich so an deiner neuen Berufung?

Laura: „Seit meinem ersten Ausbildungstag bis hin zu meinem dreijährigen Jubiläum als Krankenschwester dieses Jahr habe ich auf den Tag der Selbstständigkeit hart hingearbeitet. Nach den Nachtschichten ging es zu freien Shootings, um mein Portfolio aufzubauen. Genau dasselbe auch oft vor den Nachtschichten, obwohl ich im Anschluss einfach super kaputt war.“

Gibt es Schattenseiten?

Laura: „Ich habe rund 20.000 Euro investiert, ohne irgendwie Plus zu machen. Und bevor man sich wundert – das ist leider in vielen Künstlerberufen absolut normal. Man investiert und investiert, bis irgendwann, nach vielen Tränen, viel Schweiß und harter Arbeit die ersten Bezahlungen und irgendwann die Großkunden, Firmen, Filme, Musikvideos und Celebritys kommen. Ich bin seit ein paar Monaten komplett selbstständig und könnte glücklicher nicht sein. Für mich ist das alles immer noch absolut surreal, ehrlich gesagt. Ich liebe es und bin so dankbar, dass es oft nur wenige verstehen, dass ich mich in meiner Profession und meiner Persönlichkeit absolut ausleben kann. Niemand kommentiert meine Optik mehr negativ. Ich kann tragen und machen, was ich will und bin mein eigener Chef. Die Maske für Filmproduktionen, Editorials und Co. zu sein, ist Wahnsinn. Ich liebe jede Stunde und jede Sekunde davon, auch wenn es natürlich sehr anstrengend manchmal ist.“

Du sprichst es selbst an: Eckst du mit deinem Look oder vielleicht auch deinem Content schon mal an? Un wenn ja – ist es eher hinderlich oder erschließt es dir sogar neue Fans?

Laura: „Nein, angeeckt bin ich wegen meines Contents noch nie. Allerdings ecke ich gerne mal an, weil mir das Herz auf der Zunge liegt.“

Bei Instagram nennt sich Laura Inkedcrybaby. Dieses Foto postete sie in ihren Storys
Bei Instagram nennt sich Laura Inkedcrybaby. Dieses Foto postete sie in ihren Storys

Random, aber: Wie viele Haarfarben hattest du schon?

Laura: „Nicht viele, drei: Schwarz, Split-Dye, Ginger.“

Diese Frage stelle ich seit Kurzem allen meinen Interviewpartnern: Wenn dein Leben ein 90er-Jahre-Highschool-Film wäre – welche Rolle wäre deine? Der süße Cheerleader, die Anführerin, der Nerd, der Sportler, der Outlaw?

Laura: „Ein Mix aus Nerd und Outlaw, haha.“

Folgt Laura auf Instagram.

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